Pilotprojekt der Hauptschule Jennersdorf

Das virtuelle Klassenzimmer -

computerunterstützter Unterricht


I. Pilotprojekt an der Hauptschule Jennersdorf

„VIRTUELLES KLASSENZIMMER“

Die Idee des virtuellen Klassenzimmers entstand durch die Situation eines Schülers der HS Jennersdorf, der auf Grund einer schweren unheilbaren Krankheit nicht oder nur sehr eingeschränkt am Unterricht teilnehmen kann. Durch den Einsatz neuer Technologien, vor allem des Internets, wird die Teilnahme am Unterricht und die Integration des Schülers in den Schulbetrieb und die Klassengemeinschaft zumindest zum Teil ermöglicht. Obwohl in erster Linie als Hilfestellung für einen Einzelnen gedacht, eröffnen die neuen Möglichkeiten eine Anzahl weiterer Perspektiven. Die weltweit geforderte Öffnung und Orientierung der Schulen hin zu neuen Medien und Technologien wird hier zu einem konkreten Schritt zur Informationsgesellschaft.
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1. Wie wird kommuniziert?

a) Synchrone Kommunikation

Synchrone Kommunikation, d.h. Kommunikation in Echtzeit ermöglicht es dem Schüler zeitweise am Klassengeschehen teilzuhaben. Das Klassenzimmer als auch das Zimmer des Schülers sind mit Kamera und Mikrophon, sowie einem Internetanschluss ausgestattet. Die Übertragung von Bild und Ton erfolgt ausschließlich über Internet. Diese Technik ermöglicht im Gegensatz zur Videokonferenz zwar nur kleinformatige Bilder mit einer niedrigen Bildrate, allerdings kann auf teures Videoequipment und die Schaltung teurer Direkt-Leitungen verzichtet werden. Diese Echtzeitanwendung ist auch wichtig, um dem Schüler bzw. der Klasse ein Gefühl des Zusammengehörens und des Dabeiseins zu geben.

Natürlich gibt es hier technische Hürden zu überwinden, so gibt es leider schwankende Übertragungsqualitäten.

Durch eine sehr intensive Zusammenarbeit mit telechance – Jennersdorf und dem Elternhaus des Schülers hoffen wir, diese Probleme in den Griff zu bekommen. Dank des besonders engagierten Vaters des Schülers wird an einer Verbesserung der Übertragung ständig gearbeitet.

Eine zweite Anwendung synchroner Kommunikation wird durch ein Messaging Programm ermöglicht. Damit wird zwischen zwei oder mehreren am Internet angeschlossenen Partnern "textbasiert" in Echtzeit kommuniziert.

b) Asynchrone Kommunikation

Asynchrone Kommunikation ermöglicht es den Kommunikationspartnern zeitlich unabhängig Informationen auszutauschen.

Zentraler Punkt und Plattform der asynchronen Kommunikation ist die Website der HS Jennersdorf (www.hs-jennersdorf.at).

Innerhalb dieser Website ist ein Bereich eingerichtet, welcher den Großteil der Aufgaben eines virtuellen Klassenzimmers übernimmt.

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2. Was wir unter virtuellen Klasse verstehen

Die rasanten Fortschritte in der Informations- und Kommunikationstechnik gehen Hand in Hand mit dem Aufkommen des Telelernens, das mit Begriffen wie "Open-Distance-Learning", "Learning-on-Demand", "Just-in-Time-Learnining", "Teleteaching" oder "Virtual School" undifferenziert umschrieben wird.

Das virtuelle Klassenzimmer der Hauptschule Jennersdorf

Das virtuelle Klassenzimmer der Hauptschule Jennersdorf ist ein virtueller Raum im Internet, wo Lerninhalte in Form von Datenbanken zur Verfügung stehen. Jeder Schüler kann sich Lernstoff, Hausübungen, Übungsbeispiele, Arbeitsblätter usw. über das Internet besorgen und über E-Mail an den unterrichtenden Lehrer zurücksenden. Das ist im Krankheitsfall für jeden Schüler ein großer Vorteil.

Die virtuelle Klasse ist auch ein Raum, in den jeder Thema oder Problem zur Diskussion hineinstellen kann.

In Wissenschaft und Wirtschaft wird diese Form der Kommunikation inzwischen selbstverständlich genutzt. In der Praxis haben die neuen Medien bereits ihren unbestrittenen Platz. Mit der virtuellen Klasse kann ein neues Lernumfeld geschaffen werden, das Selbstständigkeit, Flexibilität, Öffnung der Lernfächer begünstigt.
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3. Effekte der virtuellen Klasse

• Durch die "virtuelle Klasse" wird es allen ermöglicht, sich eine digitale Kultur anzueignen (Lehrende und Lernende). Anwendung des Computers ist nicht auf Spezialisten beschränkt. LehrerInnen verschiedener Fächer arbeiten zusammen. Die Vorbereitungen müssen am Computer geleistet werden.

• Die neuen Medien werden fixer Bestandteil des Lehrens und Lernens. Sie werden in den pädagogischen Alltag integriert.

• Integrativer Einsatz des Computers im Klassenzimmer ermöglicht einen einfachen und unkomplizierten Zugang zu den neuen Technologien (kein "Computer-Ghetto" in Informatikräumen). Integration des Computers in den Schüleralltag.

• Erwerb von Medienkompetenz: Mischung von Präsenz und elektronischen Phasen - Bereitstellung und Bearbeitung von Materialien, Kommunikation per E-Mail etc.

• Öffnung der Schule zu Fachleuten (Beratung mit Programmierern, Web-Designern, Informationstechnikern).

• Pflege von Sozialkontakten: „No Future“- Haltung des betroffenen Schülers wird nahezu ausgeschlossen. Auch die Mitschüler lernen mit Menschen zu kommunizieren, für die das alltägliche Leben anders aussieht.
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4. Praxis der virtuellen Klasse

Der Weg zum Ziel war nicht einfach und konnte nur mit Hilfe von Computer-Profis zurückgelegt werden, die über Fachwissen im Bereich der Nutzung der Techniken verfügen. Die Organisation "Telechance" zeigte großes Interesse an dem Projekt und arbeitete die entsprechende Software auf.

In kontinuierlichen Gesprächen wurden die Ziele, Vorhaben, Methoden und Schritte der Umsetzung beraten.

Vorgangsweise

• Gespräch mit Schülern (Designvorschläge, Buttons, Backgrounds, ...)

• Bildung einer Arbeitsgruppe (Telechance und Lehrer)

• Konzeptentwicklung

• Programmierung einer Software durch Telechance, die es ermöglicht, Lehrstoff und Arbeitsblätter jederzeit ins Internet stellen zu können.

a) Der Eintritt in die virtuelle Klasse-Startseite

Die Oberfläche ist flexibel und konfigurierbar, sodass jeder Lehrer sie nach seinen fachspezifischen Erfordernissen und persönlichen Bedürfnissen anpassen kann. Verschiedene Module stehen zur Auswahl.

b) Seite "Klassenzimmer"

Zentrum und Einstiegspunkt für die Schüler ist die Seite "Klassenzimmer". Das "Klassenzimmer" soll im Erscheinungsbild eine echte Klasse abstrahieren. Das heißt der Schüler findet viele Dinge wieder, die er aus dem "wirklichen" Klassenraum kennt und die für ihn eine bestimmte Bedeutung haben. Ein ehemaliger Schüler (Naumann Bernhard) konnte von der Idee begeistert werden und zeichnete ein Klassenzimmer mit den gebräuchlichen Einrichtungsgegenständen

Es gibt einen Stundenplan über den der Schüler zu den fachspezifischen Unterseiten gelangt. Es gibt eine Tafel, ein Lehrerpult, Bilder,...Manche Werkzeuge oder Gegenstände, sind mit einer bestimmten Funktion verbunden.

c) Seite "Klassenvorstand "

Ein Bereich für Angelegenheiten des Klassenvorstandes. Dieser kann wichtige Informationen, Termine und Ähnliches veröffentlichen.

d) Seite "Lehrer" (gesperrt für Öffentlichkeit)

Liste aller Klassenlehrer mit Daten (Adressen, Telefon, Email, Sprechstunden...)

e) Seite "Schüler" (gesperrt für Öffentlichkeit)

Liste aller Schüler mit Daten (Adressen, Telefon, Email, Foto, Hobbys...)

f) Seite "Administration"

Diese Seite wird über ein passwortgeschütztes Login erreicht und ist nur dem Lehrer zugängig.

Über ein Formular kann der Lehrer sein Fach für eine Klasse freischalten und konfigurieren.

Ein weiteres Formular steht zur Verfügung, um Inhalte, Hausübungen usw. zu publizieren oder Dokumente auf den Server hochzuladen.

Das Formular stellt keine besonderen technischen Anforderungen an den Lehrer.

g) Seite "Hausübung"

Auf dieser Seite findet der Schüler die detaillierte Beschreibung der erteilten Hausübung.

h) Seite "Chatroom"

Der Chatroom ist für alle zugänglich und ermöglicht das Kommunizieren in Echtzeit.

i) Seite "Forum"

Dieses Forum ist eine Art "schwarzes Brett, wo jeder seine Fragen und Meinungen (z. Bsp. Was gefällt mir an der Hauptschule? Tauschbörse, ...) postieren kann. Ebenso können Diskussionen geführt werden.

Das Forum wird so eingerichtet, dass es teilweise für die Öffentlichkeit und teilweise nur für bestimmte Benutzergruppen zugänglich ist.

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II. Computer als Kommunikationshilfe – eine Brücke nach außen

Durch den Einsatz neuer Technologien soll die ständige Verbreiterung des Grabens vermieden werden, der sich zwischen denen auftut, die davon ausgeschlossen sind:

Die Mobilitätsbehinderung könnte durch den Einsatz neuer Informations- und Kommunikationstechnologien ausgeglichen werden.

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III. Zukunftsaussichten

Die Möglichkeiten multimedial zu arbeiten und die Perspektiven der Nutzung der Telekommunikation sind eine große Herausforderung.

Virtuelle Lernumgebungen sollen nicht klassisches Lernen ablösen. Sie sollen als alternative Ergänzung zu den konventionellen Formen des Lernens angewandt werden.

Im Umfeld der Schule gibt es für und mit dem Medium Internet noch viele Aufgaben zu entdecken, aufzubereiten und Lösungen anzubieten.

Welche Aufgaben das sind, das muss jede Schule für sich selbst entscheiden.

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Nähere Informationen: